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Voll cool - Jugendliche arbeiten jetzt miteinander

Der Amoklauf an einer Realschule in Winnenden hat wieder einmal auf schreckliche Weise gezeigt: Mobbing, Ausgrenzung und Gewalt unter Jugendlichen kann fatale Folgen haben. Gerade an weiterführenden Schulen sind solche respektlosen Umgangsformen weit verbreitet.

Frühzeitig auf bestimmte Anzeichen reagieren, möglichst schon präventiv, bevor es zu körperlicher oder seelischer Gewalt kommt - das ist das Ziel von Regina Pannenbecker. Die Diplom-Sozialarbeiterin und Anti-Gewalttrainerin arbeitet seit längerem intensiv mit der Justus-von-Liebig-Hauptschule in Moers zusammen. „Jeder, der diese Schule in den vergangenen Jahren durchlaufen hat, kennt mich: Denn in der 7. Klasse machen alle bei mir ein Coolnesstraining", sagt Pannenbecker.

In der vergangenen Woche war's mal wieder soweit. Für 28 Siebtklässler hieß es an vier Vormittagen: raus aus der Schule, rein ins AWO-Jugendzentrum Kaktus in Meerbeck. Dort trainiert Regina Pannenbecker regelmäßig mit den 13- bis 15-Jährigen. Das Motto des Projekts: „Schule ohne Gewalt". „‚Kaktus' und Justus-von-Liebig-Schule arbeiten schon lange zusammen. Wir stellen fürs Coolnesstraining unsere Räumlichkeiten zur Verfügung, damit die Jugendlichen nicht in ihrer gewohnten Lernumgebung trainieren, die sie möglicherweise hemmt, sondern an einem Ort, an dem sie unbefangen und vorurteilsfrei lernen können", sagt Juliane Wirtgen, pädagogische Mitarbeiterin der AWO im „Kaktus".

Bei früheren Klassen reichten auch schon mal zehn Stunden, diesmal waren 20 Stunden Coolnesstraining nötig, weil es vorher zwischen verschiedenen Grüppchen brodelte. „Die Jugendlichen haben aber alle toll mitgemacht, es konnte einiges aufgearbeitet werden", äußerte sich Pannenbecker anschließend zufrieden.

Zu den Übungen gehörte unter anderem das Moor-Spiel: Über zehn Stühle mussten die Jungen und Mädchen den Raum durchqueren. Ein Körperteil musste dabei immer einen Stuhl berühren. Andernfalls wäre der Stuhl in einem imaginären Moor versunken. Was schlecht gewesen wäre: Denn je weniger Stühle, desto schwieriger ist es, die Aufgabe zu bewältigen. Pannenbecker: „Die Jungen und Mädchen haben das hervorragend gemeistert. Das Spiel hat den Zusammenhalt der Klasse gestärkt." Und das hoffentlich weit über die Woche Coolnesstraining hinaus.

Etwas problematischer verlief zunächst ein anderes Spiel. Die 28 Jugendlichen mussten auf einem Seil stehen, das auf dem Boden lag. Alle wahllos hintereinander. Ihre Aufgabe war es nun, sich auf dem Seil zu ordnen, zum Beispiel nach aufsteigender Körpergröße. Der Clou: Sie durften dabei das Seil nicht verlassen. „Es war anfangs sehr deutlich die Abneigung zu spüren, den anderen zu berühren. Das betraf Jungs und Mädchen, aber auch Mädchen untereinander, die sich nicht mochten", so Pannenbecker. Die körperliche Nähe zu bestimmten Personen sei vielen unangenehm gewesen. Aber auch das hat sich gegeben. „Nach einer gewissen Zeit hatten alle ihren Spaß. Die Jugendlichen haben neue Verhaltensmuster gelernt und festgestellt: Ich kann auch mit einem Menschen, der mir nicht so sympathisch ist, freundlich und nett umgehen", so Pannenbecker.

Kontakt für Schulen: Regina Pannenbecker, Telefon 0178/2066663