AWO Direkt Kinder & Jugend Familie Senioren Arbeit & Gesundheit
Mehr Themen
Suche

Der erste Schritt ist der schwierigste

Bingo

Eigentlich wollte Edith Heldt nur schnell an der Tür Näharbeiten für eine Bekannte abgeben. Reinkommen? Ach nein, lieber nicht. Dort sind doch nur alte Leute, dachte sie. Aber letztlich hat ihre Bekannte sie doch überreden können, den Fuß über die Schwelle zu setzen. Ein Kurzbesuch in der Altentagesstätte in Eick-West mit Folgen. Denn seitdem besucht Edith Heldt die AWO-Einrichtung regelmäßig zwei- bis dreimal in der Woche.

Das ist mittlerweile 25 Jahre her, und die Altentagesstätten wurden längst in Begegnungsstätten umbenannt. „Wir wollen eine Einrichtung für alle Generationen sein, nicht mehr nur für die Älteren“, sagt die Leiterin der Begegnungsstätte, Sieglinde Kallmann. Das ist ein schwieriges Unterfangen, gibt sie zu. Denn in den Augen vieler Bürger ist die Begegnungsstätte ein Treffpunkt für Senioren. Dabei hat die AWO frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannt: Seit zwei Jahren arbeitet sie daran, ihre sechs Begegnungszentren in Moers zu Servicestationen im Stadtteil zu machen. Dazu gab es zahlreiche Fortbildungen für die Einrichtungsleiterinnen und -leiter. Das Ziel der AWO: Die Begegnungsstätten sollen ihre kulturellen Angebote erweitern und mehr Beratungen anbieten. „Wir sind der Zeit voraus. Auch die Stadt Moers hat jetzt ein Forschungsinstitut damit beauftragt, die Seniorenarbeit in Moers weiterzuentwickeln“, sagt Sieglinde Kallmann, die als Halbtagskraft beschäftigt ist. Sie erstellt für Eick-West ein wöchentlich wechselndes Programm: Sprechstunde mit dem Knappschaftsältesten, Singen, Spiele, Gedächtnistraining, Ausflüge, Gymnastik und Diskussionsveranstaltungen.

Zusammen mit der Grundschule Eick-West wurde im vergangenen Jahr zweimal das Märchen Schneewittchen aufgeführt. „Jung und alt gemeinsam – das war manchmal anstrengend, hat aber allen Schauspielern und Zuschauern sehr viel Spaß gemacht“, sagt Kallmann. Vor kurzem hat sie einen Tanzkursus angeboten: Zwölf Pärchen haben mitgemacht. Fast sensationell sei das gewesen. „Die Begegnungsstätten erreichen Frauen gut. Männer sind das große Problem“, sagt Kallmann, die auf viele Jahre Berufserfahrung in den Begegnungsstätten in Repelen und Eick-West zurückblickt.

Einmal im Monat lädt sie zu einem Frühstück und zu einem Mittagessen ein. Mehr als 50 Leute nehmen das Angebot regelmäßig an. Das ist nicht schlecht. Aber das Potenzial in Eick-West ist noch größer. Aus vielen Gesprächen weiß Sieglinde Kallmann: „Die Hemmschwelle ist hoch. Wer sich aber einmal durchgerungen hat, kommt meistens wieder.“ So wie die beiden Frauen aus Kamp-Lintfort, die sich mehr oder weniger in die Begegnungsstätte verirrten und nun zu den Stammgästen in Eick zählen. Und wie Edith Heldt aus Meerfeld. Sie spielt mit Leni Wycisk und weiteren Damen Karten. „Mittwochs bis freitags bin ich seit zehn Jahren immer hier“, sagt Leni Wycisk. Für sie ist die Geselligkeit wichtig. „Zu Hause säße ich alleine herum und würde fernsehen.“

Der Höhepunkt der beiden rüstigen Damen ist alle zwei Wochen das Bingo-Spiel. „Darauf freue ich mich immer schon ein paar Tage vorher“, sagt Edith Heldt. Für 2,50 Euro gibt’s vier Spielkarten, ein Stück Kuchen und soviel Kaffee, wie man möchte. Bis zu 70 Mitspieler ab 40 Jahre hoffen dann auf einen der Preise – zumeist Lebensmittelkonserven. „Ach, die Preise“, sagt Leni Wycisk und winkt lachend ab. „Die sind egal. Uns geht es um das Spielen in der Gemeinschaft. Das ist immer lustig.“

KASTEN
In Moers gibt es acht Begegnungsstätten. Sechs stehen in der Trägerschaft der AWO: in Repelen (Talstraße), Eick-West (Waldenburger Straße), Kapellen (Ehrenmalstraße), Asberg (Bonifatiusstraße) Moers-Mitte (Brunostraße) und Meerbeck (Neckarstraße). Eine weitere Begegnungsstätte in der Stadtmitte (Neustraße) trägt das Deutsche Rote Kreuz, die Begegnungsstätte in Hülsdonk (Schwanenring) betreibt die evangelische Kirche. Alle Begegnungsstätten haben in der Regel wochentags an den Nachmittagen geöffnet.

FOTOS:
Leni Wycisk (weißes Shirt) beim Bingo-Spiel.