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AWO-Begegnungsstätten

in Moers droht das Aus

Im Juli letzten Jahres protestierten die Besucherinnen und Besucher der AWO Begegnungsstätte in Eick-West bereits gegen die damals ­geplanten Kürzungen. Nun droht erneut die Schließung.

Seit einigen Wochen ist es das beherrschende Thema in Moers: die AWO-Begegnungsstätten in Repelen (Talstraße), Meerbeck (Neckarstraße) und Mitte (Brunostraße) sollen geschlossen werden.

Was ist passiert?

In den vergangenen vier Jahren hat die Stadtverwaltung Moers in Zusammenarbeit mit der Universität Dortmund ein Modell entwickelt. Ziel war es, die Seniorenarbeit in Moers neu aufzustellen. Dabei wurden die Senioren-Begegnungsstätten im Anschluss von der Stadtverwaltung nach einem komplizierten Punktesystem bewertet. „Dieses erscheint uns willkürlich […] und wird auch nicht fachlich-inhaltlich begründet“, kritisieren Vertreter der Moerser AWO-Ortsvereine in einer Stellungnahme an die Stadt.

Was hat das mit den Begegnungsstätten der AWO zu tun?

Nach dem oben genannten Bewertungssystems erhielten die AWO-Einrichtungen Talstraße, Neckarstraße und Brunostraße nur 30 von 100 Punkten und die AWO-Begegnungsstätte an der Waldenburger Straße 65 Punkte. Auf dieser Grundlage erarbeitete die Stadt eine Verwaltungsvorlage. Diese besagt, dass die „schlecht“ bewerteten Einrichtungen geschlossen werden beziehungsweise weniger Geld erhalten sollen.

Das hängt auch damit zusammen, dass die Ausgaben für Seniorenarbeit bei 288.000 Euro gedeckelt wurden. Das hat der Rat der Stadt im vergangenen Jahr beschlossen. Nun muss dieses Geld auf irgendeine Weise auf alle Einrichtungen verteilt werden. Sprich: wenig oder gar kein Geld für „schlechte“ Einrichtungen; viel Geld für „gute“ oder neue Begegnungsstätten.

Jedoch berücksichtigt das städtische Bewertungssystem nicht ausreichend die Bedürfnisse und Wünsche der im Umfeld der Einrichtungen lebenden – in der Regel – hochbetagten Besucher.

Was macht die Stadt?

Es gibt noch keinen Beschluss, weil sich die Fraktionen und der Seniorenbeirat zunächst noch intensiver mit dem Thema auseinandersetzen wollen. Deshalb berät der Sozialausschuss die Angelegenheit erst in seiner nächsten Sitzung am 4. Februar 2014. Das bedeutet jedoch gleichzeitig, dass die Stadt allen Trägern kündigen will, damit alle Fristen gewahrt werden, bevor 2014 neue Verträge geschlossen werden können.

Welche Folgen hat das für die AWO?

Die Kündigungen würden das Aus für die AWO-Begegnungsstätten in der Bruno-straße, Neckar- sowie Talstraße bedeuten. Auch die Einrichtung an der Waldenburger Straße müsste geschlossen werden. „Ich bin sehr traurig und sehr wütend! Stinksauer! Wo sollen wir denn hin?“, sagt Irmgard Wiederhold (83) stellvertretend für alle Besucher der Begegnungsstätten.

„Für unsere zum Teil langjährigen Mitarbeiter, die wir in die Arbeitslosigkeit schicken müssten, wären Abfindungen zwischen 50.000 und 70.000 Euro nötig. Das würde die betroffenen Ortsvereine in die Insolvenz treiben“, sagt Horst Ingensand, Leiter des Referats Altenpolitik beim Kreisverband Wesel.

„Die Ortsvereine könnten ihrer Arbeit im Ortsteil nicht mehr nachkommen. Damit ist auch die ehrenamtliche Struktur dieser Ortsvereine zerschlagen“, schreiben Gisela Schneider-Rötters, Vorstandsmitglied des AWO Ortsvereins Moers und ihre Kollegen der Ortsvereine Moers, Rheinkamp und Kapellen in ihrer Stellungnahme.

„Für die Senioren erfüllen unsere Begegnungsstätten mehrere, sehr wichtige Funktionen“, betont Horst Ingensand. Zum einen dienen sie, wie der Name schon sagt, als Treffpunkt; als Ort, an dem sie sich austauschen und miteinander reden können. Das sei gerade für die Besucher, die allein leben, eine unglaubliche Bereicherung.

„Außerdem bieten wir zahlreiche Aktivitäten an“, sagt Ingensand. Unter anderem Gymnastik, Gedächtnistraining, Ausstellungen, Vorträge, Ausflüge und Urlaubsfahrten. In den Begegnungsstätten stehen den Besuchern Computer zur Verfügung, und Kurse helfen beim Umgang mit selbigen. Ein in NRW (fast) einzigartiges Angebot dürfte zudem der Gesundheitsparcours an der Waldenburger Straße sein. Der öffentliche Fitnesspark entstand in Zusammenarbeit mit der AWO-Begegnungsstätte und der Vivawest Wohnen GmbH.

Wie geht es weiter?

Erst einmal heißt es abwarten bis zur Sitzung des Sozialausschusses am 4. Februar. Der Vorstand des AWO-Ortsvereins Rheinkamp ruft zudem alle Mitbürgerinnen und Mitbürger zum Protest auf.

Das sagen die Besucherinnen und Besucher der AWO-Begegnungsstätten

Das sagen die Besucherinnen und Besucher der AWO-Begegnungsstätten:

Werner Wiechert, 84 Jahre
Wir sind immer hier
„Hier sitzt die Generation, die nach dem Krieg alles wieder aufgebaut hat. Wir sind fast jeden Tag hier. Ich kann mir nicht vorstellen, an einen anderen Ort zu gehen.“

Gerda Gallus, 85 Jahre
Mehr als nur Kaffee trinken
„Was haben wir Alten denn sonst noch? Nichts. Ist doch so. Und wir sitzen nicht nur hier und trinken Kaffee und Kuchen. Wir beschäftigen uns ja auch, treffen uns, reden zusammen. Kultur brauchen wir keine mehr, sondern Unterhaltung, dass wir nicht alleine sind! Und wenn hier zu is, watt machen wir dann? Mir würde das fehlen. Wir kennen uns schon so lange.“

Hannelore Münnix, 81 Jahre
Ich halt da gar nix von!
„Wir alten Leute wissen nicht, wo wir sonst hin sollen! Gäbe es die Begegnungsstätte nicht, würden wir alleine zuhause rumsitzen und da verdrögen. Die meisten von uns sind Witwen – wir haben niemanden mehr zuhause. Hier ist es schön, wir können miteinander reden, und wir verstehen uns alle gut. Ich wüsst nicht, was ich machen soll, ohne die AWO. Wahrscheinlich Trübsal blasen. Ich komme drei- bis vier Mal in der Woche, und ich weiß: Ohne die Begegnungsstätte wär es ganz schlecht um uns bestellt!“

Erwin Biedermann, 74 Jahre
Zentraler Anziehungspunkt für uns
„Ich bin dagegen, dass die Begegnungsstätten geschlossen werden! Weil sie immer ein Anziehungspunkt für ältere Herrschaften sind, an dem wir uns treffen und spielen können. Außerdem ist sie zentral gelegen.“

Ursula Heinzel, 83 Jahre
Die AWO würde mir fehlen
„Ich komme sehr gerne in die Begegnungsstätte – regelmäßig jeden Donnerstag und Freitag. Es wird traurig, wenn sie schließen sollte. Hier sehen wir uns alle, können uns austauschen. Sonst sitzt man nur alleine zuhause und guckt Fernsehen. Lesen kann ich nur noch schlecht, wegen meiner Augen. Naja, wir hoffen das Beste. Und wo sollen wir Alten denn sonst hin? Die AWO würde mir echt fehlen! Es ist sehr schade.“

Renate Weinert, 76 Jahre
Ich komme wirklich gerne
„Für mich ist die AWO das Highlight. Eine Schließung würde ich sehr bedauern. Wir machen hier so viel: Spielrunde, Gedächtnistraining, Geschichten erzählen und vieles mehr. Und die Leiterin ist einfach spitze, sie organisiert so viel und sorgt für Abwechslung. Die AWO ist schön, und ich komme wirklich gerne hier hin!“

Anneliese Stämmler, 83 Jahre
Hier treffen wir uns immer
„Was ich davon halte, dass geschlossen werden soll? Gar nix! Ich komme jeden Tag, wenn ich keine Wehwehchen habe. Ich laufe mit dem Rollator und kann sonst nirgendwo hin. Bus mag ich nicht fahren. Hier treffen wir uns immer. Ohne die Tagesstätte wäre alles weg.“

Hilde Liebig, 74 Jahre
Sehr sehr traurig
„Ich bin mindestens zwei Mal in der Woche hier, zum Stammtisch, zum Bingo oder zum Mittagessen. Für mich ist die AWO wie ein Zuhause. Noch bin ich recht aktiv, gehe auch zum Sport und nehme andere Angebote wahr. Aber wie lange wohl? Ich finde gut, dass die Begegnungsstätte nicht weit von meinem Zuhause ist und ich andere Leute treffe. Ich möchte, dass die Begegnungsstätte erhalten bleibt. Wenn nicht, wäre das sehr sehr traurig.“

Harry Höll, 84 Jahre
Wie unser Zuhause
„Wir machen hier so viel: Bingo spielen, zusammen sitzen, feiern, wir haben den Sparkasten … dat is alles so schön. Die Begegnungsstätte ist wie unser Zuhause. Jetzt nehmen sie es uns weg.“

Else Koch, 81 Jahre
Wir haben schon so viel verloren
„Wir haben keine Möglichkeit, woanders hin zu gehen. Das Café Sonnenblick, das als Alternative genannt wurde, ist doch viel zu klein. Karten spielen, frühstücken, Feste feiern, das kannste alles da nicht. Und es ist so schön, hier zu quatschen, nicht alleine zu sein, wenn man sonst keinen hat. Wir haben schon so viel verloren, jetzt sollen wir das auch noch verlieren?! Wir waren auch im Rathaus, und ich habe die Sitzung unterbrochen und protestiert. Ich war so dermaßen wütend, ich musste einfach was sagen!“

Elfriede Werischak, 85 Jahre
Ich weiß nicht, was ich machen soll
„Ich habe niemanden, und meine Kinder wohnen weit weg. Ich habe nur die AWO und bin froh, weil ich zur Begegnungsstätte nicht weit laufen muss. Wenn sie zumacht, weiß ich wirklich nicht, was ich anderes machen soll. Ich komme fast jeden Tag.“

Gertrud Kniehöfer, 80 Jahre
Was machen wir denn dann?
„Ich komme schon ein paar Jahre hier hin und seitdem bin ich ein anderer Mensch, offener und fröhlicher. Die anderen helfen mir und richten mich auf, zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt. Ich liebe unsere vielen Feste, die Ausflüge, Frühstücke, das Spielen – hier ist immer was los; man kümmert sich um uns. Zuhause würde ich allein vor dem Fernseher sitzen. Und da kommt meistens auch nichts. Ich bin sehr traurig. Wenn hier zu ist, was machen wir denn dann?“

Christa Pristounik, 72 Jahre
Ohne die Begegnungsstätte fehlt was
„Hier gibt es Abwechslung, man kommt mit Leuten zusammen, kommt ins Gespräch. Ohne die Begegnungsstätte fehlt was, das is doch nix. Ich bin zwar auch noch in der Gemeinde, aber das ist etwas ganz anderes. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich zur AWO komme. Wenn hier zugemacht wird, frage ich mich: Wo sollen wir denn hin?“

Ulf Wolfgang Müller, 69 Jahre
Wo sollen wir bleiben?
„Wir sind todtraurig. Ich find das nicht schön. Wo sollen wir Alten denn hin, wenn geschlossen wird? Wählen durften wir, aber viele von uns werden nicht mehr zur Wahl gehen. Wo sollen wir bleiben? Die Kneipe ist mit unserer kleinen Rente zu teuer. Aber hier, das ist wie unser Wohnzimmer.“

Ottilie Köther, 83 Jahre
Ich müsste zuhause bleiben
„Ich finde das ganz schlecht! Ich komme so gut wie jeden Tag. Und wenn zu ist, muss ich wohl zuhause bleiben. Aber das möchte ich nicht. Ich gehe auch noch zu Treffen von der Kirche, aber das ist nur ein Mal in der Woche.“

Irmgard Wiederhold, 83 Jahre
Ich bin stinksauer
„Ich bin sehr traurig und sehr wütend! Stinksauer! Überall wird Geld gespart. Wir haben schlechte Zeiten mitgemacht, und jetzt das hier! Ich bin so froh, dass es die Begegnungsstätte gibt. Ich freue mich jedes Mal auf die Treffen und lege mir Arzttermine so, dass ich sie nicht verpasse. Mein größter Wunsch ist, dass die Begegnungsstätte erhalten bleibt. Denn hier fühlen wir uns wirklich wohl, und uns fehlt einfach alles, wenn es die Begegnungsstätte nicht mehr gibt.“

Johann Römer, 77 Jahre
Barrierefrei zu erreichen
„Wir wollen weiter hier spielen! Die Betreuung ist außerdem gut! Sehr gut! Man geht auf unsere Wünsche ein, und die Begegnungsstätte ist barrierefrei zu erreichen. Das ist auch wichtig.“

Wilfried Schwellnus, 78 Jahre
Stadt lässt uns links liegen
„Es ist für uns unverständlich, dass die Stadt uns Senioren links liegen lassen will. Dann stehen wir auf der Straße. Gaststätten kommen als Ausweichort nicht in Frage. Zum einen wegen der Barrierefreiheit und natürlich aus finanziellen Gründen. Wir wissen ja, wie es um die Renten bestellt ist. Tja, wo sollen wir jetzt also hin? Wir kommen mehrmals in der Woche zum Skat spielen hier her, und hier möchten wir auch bleiben.“

Aufgezeichnet in den AWO-Begegnungsstätten Meerbeck, Eick-West und Repelen.

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Hintergrundinformationen, wie die Sitzungsvorlage der Stadtverwaltung und die Stellungnahme der Arbeiterwohlfahrt, stehen im Bürgerinformationssystem der Stadt Moers zur Verfügung.