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AWO-Koordinierungsstelle Ehrenamt:

Das neue Ehrenamt heißt Engagement

Evi Mahnke koordiniert das Ehrenamt beim AWO Kreisverband Wesel.

Immer wieder heißt es: Das Ehrenamt stirbt aus. Sehen Sie das auch so?

Nein. Das Ehrenamt stirbt nicht aus, es verändert sich. Regelmäßige Studien belegen dies. Deshalb spreche ich lieber von Engagement. Mit dem Begriff Ehrenamt sind traditionelle Strukturen wie Ortsverein, Vorstand, Satzung verbunden. Für diese Art des Ehrenamtes fehlt in der Tat der Nachwuchs.

Das ist nicht nur bei der AWO der Fall, das ist ein gesellschaftlicher Umbruch. Aber auf der anderen Seite entwickelt sich in vielen Bereichen ein bürgerschaftliches und freiwilliges Engagement. Menschen, die in ihrem Quartier, also direkt vor der eigenen Haustüre, etwas verändern, verbessern und für andere Menschen tun wollen.

Woher kommt dieses Interesse?

Die Gesellschaft verändert sich. Das Prinzip der Nachhaltigkeit wird für viele Menschen immer wichtiger, nicht nur beim Müll und beim Essen, sondern generell. Und sie wissen, sie können etwas dafür tun, damit ihr Stadtteil lebenswert bleibt. Es heißt immer, das Engagement liegt auf der Straße. Das erkennen auch Sponsoren. Sie sagen, wir fördern nicht mehr das große Drei-Jahres-Projekt und geben ein Thema vor, sondern wir fördern die Ressourcen und Strukturen dort, wo sie verankert sind, wo Menschen sich engagieren. Die Politik sollte sich ebenfalls intensiver damit auseinandersetzen und geeignete Rahmenbedingungen für Engagementstrukturen schaffen.

Können Sie das veränderte Engagement an einem Beispiel festmachen?

Im Rahmen des Qualitätsmanagements erfassen wir regelmäßig die Zahl unserer freiwillig Engagierten und die Stunden, die sie leisten. In den Jahren 2015 und 2016 gab es eine deutliche Steigerung. In dieser Zeit hatten wir als AWO viele Anfragen von Menschen, die sich für Geflüchtete engagieren wollten und dies auch getan haben.

Wie reagiert die AWO auf diesen Umbruch?

Es gibt zwölf AWO-Ortsvereine im Kreis – und zwei Stützpunkte in Alpen und in Hünxe. Im Jahr 2013 konnten die Ortsvereine in diesen Kommunen keine Vorstände mehr bilden. Die Gründe hierfür sind wie bei vielen Organisationen auch: demografische Entwicklung, weniger Mitglieder, nachlassende Bereitschaft, einen Vorstandsposten zu übernehmen. Diese Entwicklung hat im Vergleich zu anderen Regionen bei uns spät eingesetzt, da die Vereinskultur im Ruhrgebiet sehr stark ausgeprägt ist.

Was passiert in einem Stützpunkt?

Im Grunde genommen die klassische ehrenamtliche freiwillige AWO-Arbeit. Aber ohne den formalen Teil, ohne Vorstand, Jahreshauptversammlung, Protokolle und was sonst noch dazu gehört, denn der Ortsverein wird aufgelöst. Aber AWO-Mitglieder sind weiter vor Ort aktiv, sie sorgen dafür, dass die AWO nicht aus der Kommune verschwindet. Sie zahlen nach wie vor ihren Beitrag und können so ihre Aktivitäten finanzieren. Außerdem sind sie mit Delegierten und mit allen satzungsmäßigen Rechten bei Kreiskonferenzen vertreten.

Wie können die klassischen AWO-Angebote aufrechterhalten werden?

Der Spielenachmittag, der Klön-Kaffee, um nur zwei Beispiele zu nennen, sind Angebote, die wichtig sind. Aber vielleicht kein großer Anreiz für jüngere Menschen, sich zu engagieren. Es ist eine große Herausforderung für einen Verband, ein Spagat: das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Das eine ist Wertschätzung für jahrzehntelange ehrenamtliche Arbeit im Stadtteil, die Ortsvereine haben Unglaubliches geleistet. Wie gesagt: Die Gesellschaft und die Menschen verändern sich. Jüngere Menschen haben Nachhaltigkeit im Blick. Damit meinen sie unterm Strich ähnliche Sachen wie die traditionellen Ehrenamtlichen. Nur der Zugang ist ein anderer. Und das müssen wir berücksichtigen.

Klassische AWO-Arbeit ohne formale Strukturen – zurück zu den Anfängen?

Ja, hier schließt sich der Kreis zu unserer Gründerin Marie Juchacz. Genau so hat die Arbeiterwohlfahrt vor 100 Jahren angefangen – mit Menschen, die sagen, wir sind Gesellschaft und engagieren uns dafür, dass Probleme gelöst oder zumindest abgemildert werden.



Foto:

Evi Mahnke

Ehrenamt, QM-Beauftragte
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47495 Rheinberg
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Fax: (02843) 90705-30
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